Die sechs Arten von chinesischem Tee

Die sechs Arten chinesischen Tees

Betritt man einen ernstzunehmenden chinesischen Teeladen, steht man vor einer Wand voller Dosen, Gläser und eingewickelter Teekuchen, was sich anfühlt wie ein Weinlager ohne Kenntnis der Unterschiede zwischen Rot- und Weißwein. Die Vielfalt ist wirklich überwältigend – China produziert tausende verschiedene Tees aus dutzenden Provinzen, und die Namensgebung folgt keiner auf den ersten Blick nachvollziehbaren Logik für Außenstehende.

Aber es gibt ein System. Alle chinesischen Tees fallen in sechs Kategorien (六大茶类, liù dà chá lèi), die hauptsächlich nach Verarbeitungsmethode – insbesondere dem Grad der Oxidation der Blätter nach der Pflückung – klassifiziert sind. Wenn man diese sechs Typen versteht, wird die gesamte Welt des chinesischen Tees klar. Eine tiefere Betrachtung hierzu: Chinesische Teekultur: Warum Tee nicht nur ein Getränk ist.

Das System wurde in den 1970er Jahren vom Teewissenschaftler Chen Chuan (陈椽) formalisiert, obwohl die Kategorien selbst bereits seit Jahrhunderten informell anerkannt waren.

Die sechs Arten auf einen Blick

| Typ | Chinesisch | Pinyin | Oxidation | Farbe des Aufgusses | Hauptmerkmal | |-------------|------------|-----------|--------------------|----------------------|---------------------------| | Grün | 绿茶 | lǜchá | 0 % (nicht oxidiert) | Hellgrün bis Gelb | Frisch, pflanzlich, grasig| | Weiß | 白茶 | báichá | 5–10 % (minimal) | Hellgold | Zart, süß, subtil | | Gelb | 黄茶 | huángchá | 10–20 % (leicht) | Weiches Gelb | Weich, mild, selten | | Oolong | 乌龙茶 | wūlóngchá | 15–85 % (teilweise) | Gold bis Bernstein | Komplex, blumig bis geröstet| | Rot (Schwarz) | 红茶 | hóngchá | 85–100 % (voll) | Tiefrot bis Braun | Reich, malzig, süß | | Dunkel | 黑茶 | hēichá | Nachfermentation | Dunkelbraun bis Schwarz | Erdiger, gereift, weich |

Ein Hinweis zur Terminologie: Was im Westen als „Schwarzer Tee“ bezeichnet wird, heißt auf Chinesisch 红茶 (hóngchá, wörtlich „roter Tee“) – benannt nach der Farbe des Aufgusses, nicht der Blätter. Was die Chinesen 黑茶 (hēichá, „schwarzer Tee“) nennen, ist eine völlig andere Kategorie, zu der auch Pu-Erh gehört. Diese Namensverwirrung führt zu endlosen Missverständnissen.

1. Grüner Tee (绿茶, Lǜchá)

Grüner Tee ist die älteste und meistproduzierte Sorte Chinas und macht etwa 60 % des Gesamtoutputs des Landes aus. Die definierende Verarbeitung: Nach der Pflückung werden die Blätter schnell erhitzt (杀青, shāqīng – wörtlich „das Grün töten“), um die Oxidation zu stoppen und den frischen, pflanzlichen Charakter zu bewahren.

Die Art der Erhitzung variiert je nach Region und erzeugt deutlich unterschiedliche Resultate:

- Pfannenröstung (炒青, chǎoqīng): Blätter werden in einem heißen Wok gewendet. Erzeugt ein geröstetes, nussiges Aroma. Häufigste Methode. - Dämpfen (蒸青, zhēngqīng): Von Japan beeinflusste Methode. Erzeugt ein intensiver grünes, maritimes Aroma. - Backen (烘青, hōngqīng): Trocknung über Holzkohle oder im Ofen. Erzeugt einen klaren, blumigen Charakter. - Sonnentrocknung (晒青, shàiqīng): Trocknen im Sonnenlicht. Grundlage für Pu-Erh-Tee.

Berühmte grüne Tees

| Tee | Chinesisch | Region | Geschmacksprofil | |---------------|------------|----------------------|---------------------------------| | Longjing (Drachenbrunnen) | 龙井 | Hangzhou, Zhejiang | Kastanie, süß, flachgepresste Blätter |

Über den Autor

Kulturforscher \u2014 Forscher für chinesische Kulturtraditionen.

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