Tempel-Etikette: Wie man chinesische Tempel besucht

Tempel-Etikette: Wie man chinesische Tempel besucht

Das erste Mal, als ich einen chinesischen buddhistischen Tempel betrat, setzte ich meinen Fuß auf die Türschwelle. Eine ältere Frau ergriff meinen Arm und zog mich mit überraschender Kraft zurück. „Nicht drauf treten“, sagte sie. „Hinüber steigen.“ Keine weitere Erklärung.

Diese Regel mit der Türschwelle ist nur eine von dutzenden ungeschriebenen Vorschriften, die das Verhalten in Tempeln in China regeln. Die meisten Chinesen nehmen sie durch kulturelle Osmose auf – indem sie ihren Eltern und Großeltern zusehen. Ausländische Besucher und zunehmend auch junge Städter, die ohne religiösen Hintergrund aufgewachsen sind, müssen sich meist durch Versuch und Irrtum – und gelegentlich durch ein festhaltendes Großmutterchen – zurechtfinden.

Dieser Leitfaden behandelt die praktische Etikette beim Besuch sowohl buddhistischer Tempel (寺, oder 庙, miào) als auch daoistischer Tempel (观, guàn oder 宫, gōng) in China. Die Regeln überschneiden sich größtenteils, unterscheiden sich aber in einigen wichtigen Details.

Bevor Sie Eintreten

Kleidervorschriften

Die meisten chinesischen Tempel haben keine strikten Kleidervorschriften (im Gegensatz zu manchen südostasiatischen Tempeln, die bedeckte Schultern und Knie verlangen), doch gesunder Menschenverstand gilt:

| Angemessen | Unangemessen | |------------|--------------| | Bescheidene Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt | Sehr kurze Shorts oder Röcke | | Bequeme Schuhe zum Laufen | Hohe Absätze (Steinböden sind uneben) | | Dezente Farben | Nichts explizit verboten, aber Schwarz komplett vermeiden (Assoziation mit Trauer) | | Hut im Innenraum abnehmen | Sonnenbrillen in den Hallen tragen |

Manche große Tempel, besonders auf heiligen Bergen, können während religiöser Feste strengere Vorschriften haben. Im Zweifel kleiden Sie sich so, wie wenn Sie jemanden zu Hause besuchen: respektvoll, aber nicht zu formell.

Die Türschwelle (门槛, Ménkǎn)

Jede Tempelhalle hat eine erhöhte Holz-Türschwelle am Eingang. Die Regel ist unumstößlich: Drüber steigen, nie drauf treten. Die Schwelle gilt als symbolische Grenze zwischen der heiligen und der weltlichen Welt. Darauf zu treten gilt als respektlos – so als würde man dem Tempel ins Gesicht treten.

In buddhistischen Tempeln steigt man beim Betreten zuerst mit dem linken Fuß über die Schwelle. In daoistischen Tempeln variiert das je nach Region, aber das Übersteigen (statt Drauftreten) ist überall verbindlich.

Welche Tür man benutzt

Viele Tempelhallen haben drei Türen. Die mittlere Tür ist Mönchen, Nonnen oder VIPs vorbehalten. Normale Besucher benutzen die Seitentüren:

- Buddhistische Tempel: Eingang durch die rechte Tür (wenn man das Gebäude anschaut), Ausgang durch die linke - Daoistische Tempel: Gleiches Prinzip, aber weniger strikt

In der Praxis benutzen Besucher in stark frequentierten Touristentempeln jede erreichbare Tür. In ruhigeren, traditionelleren Tempeln zeigt die Beachtung dieser Regel Respekt.

Räucherwerk (烧香, Shāoxiāng)

Das Räuchern ist die gebräuchlichste Andachtsform in chinesischen Tempeln. Man muss nicht religiös sein, um Räucherwerk anzuzünden – es gilt als Respektbezeugung, nicht als Glaubensbekenntnis.

Wie man Räucherwerk anbietet

1. Kaufen Sie Räucherwerk im Tempel oder bringen Sie eigenes mit. Die meisten Tempel verkaufen Bündel neben dem Haupteingang. ... (Fortsetzung je nach Artikelumfang)

Über den Autor

Kulturforscher \u2014 Forscher für chinesische Kulturtraditionen.

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